Guang Yong war Gehilfe in einer kleinen privaten Bank in Hangzhou. Er war ehrgeizig, und obwohl er es für seine Verhältnisse und aus eigener Kraft schon weit gebracht hatte, wollte er mehr, viel mehr. Doch er stammte aus bescheidenen Verhältnissen und konnte nicht auf die Hilfe seiner Familie zählen.
Er brauchte das, was in China auch heute noch am wichtigsten ist - Verbindungen, Beziehungen, um weiterzukommen. Wang You Ling, Militärgouverneur der Provinz Zhejiang hingegen brauchte Geld, viel Geld. Wie die beiden passenden Interessen zusammenkamen, darüber kann man nur spekulieren…
Guang Yong was assistant in a small private bank in Hangzhou. He was ambitious and although he had come far he wanted more, much more. But he came from a badly-off family he could not count on.
He needed what even today is the most important thing in China - connections, relations to get on. Wang You Ling, military governor of the Zhejiang province, needed money, much money. How these fitting interests came together we can only speculate…
 
Mao Tse-Tung
Leaders on all levels must pay the utmost attention to politics and tactics, under no circumstances they must take them lightly.
Mao Tse-Tung
 
Wahrscheinlich suchte der Militärgouverneur die Bank auf, in der der junge Guang Yong damals arbeitete und es ist anzunehmen, dass der Besitzer der Bank dem Gouverneur keinen Kredit gewähren wollte. Das war die Chance für Guang Yong. Er gewährte dem Gouverneur einen privaten Kredit aus der Firmenkasse - nach unseren modernen Maßstäben würde man wohl von einer Unterschlagung sprechen. Wang You Ling erkannte die Nützlichkeit und Tüchtigkeit dieses jungen Mannes, der wenig Skrupel hatte, seine Interessen durchzusetzen, und verhalf ihm, nachdem er den Kredit zurückgezahlt hatte, dazu, sich mit einem eigenen Bankhaus selbständig zu machen, der Fukang Bank.
It is possible that the military governor visited the bank where young Guang Yong worked in these days and we may assume that the bank's owner did not grant a loan to the governor. That was the chance for Guang Yong. He granted a private loan to the governor - out of the company cash. Today we would speak of fraud. Wang You Ling recognized the usefulness and diligence of this young man who has few scruples to has his own way and helped him, after he had paid the loan back, to set up his own bank, the Fukang Bank.
 
Guang Yong, der den Namen Hu Xue Yan annahm, war nun gut im Geschäft, hatte einen Gönner in den richtigen Positionen und baute sein Netzwerk aus. Dem General Zou Zong Tang, dem Führer der Armee bei der erfolgreichen Niederschlagung der Bürgeraufstände gegen die Quing-Dynastie, leistete er so wertvolle Dienste, das er dadurch die Aufmerksamkeit des kaiserlichen Hofes gewann. Was für Dienste das waren, die der Bankier dem General leistete, darüber können wir heute nur spekulieren - sie müssen beträchtlich gewesen sein, denn als Belohnung wurde Hue Xue Yan die Würde eines Gouverneurs verliehen, dazu das Recht, den Beamtenhut mit der roten spitze und eine gelbe Mandarinjacke zu tragen. Er erhielt sogar das recht, zu Pferd in die verbotene Stadt einreiten, was als hohe Ehre galt.
Guang Yong, who took over the name of Hu Xue Yan, was now big in business, had a patron in the right positions and enhanced his network. He helped the general Zou Zong Tang, leader of the army that successfully suppressed the rebellion against the Quing dynasty, which got him the attention of the imperial court. What the services were that the banker granted to the general we can only speculate on today - they must have been immense because Hue Xue Yan was granted the rank of a governors, in addition to the right to wear the official hat with the red top and a yellow mandarin jacket. He even had the right to ride into the Forbidden City on horseback which was regarded as a high honor.
 
Hu Xue Yang hatte es geschafft, war mit Hilfe seiner Beziehungen und einem gesunden Geschäftssinn bis ganz nach oben gekommen. Er weitete seine Geschäftsfelder horizontal und vertikal aus und baute einen Mischkonzern auf. Neben dem Bankgeschäft investierte er in Einzelhandelsgeschäfte, Grundstücke und Leihhäuser ebenso wie in den nach den Opiumkriegen florierenden Im- und Export von Seide oder Munition. Bald waren seine Einnahmen halb so hoch wie der gesamte Staatshaushalt und sein Netzwerk war so gut ausgebaut, dass ihm auch der Freitod seines ersten Gönners, des Militärgouverneurs Wang You Ling, nichts mehr anhaben konnte.
Hu Xue Yang had made it, had come right to the top with the help of his network and a healthy sense for business. He enlarged his portfolios horizontally and vertically and created a conglomerate. In addition to the banking business he invested in retail, real estate and pawnshops as well as the import and export of silk or ammunition that flourished after the opium wars. Soon his income was half the national budget and his network was so well established that even the suicide of his first patron, the military governor Wang You Ling, could not harm him.
 
Im elften Jahr der Regierung des Kaisers Tong Zhi erbaute sich Hu Xue Yan, mittlerweile fast fünfzig Jahre alt, eine Residenz in Hangzhou, ausgestattet mit den feinsten Steinschnitzereien, Holzarbeiten, Säulen aus rotem Sandelholz, Ginko und Nanmu. Die Residenz war die luxuriöseste im ganzen Reich. Doch Hu Xue Yan konnte seinen Luxus nicht lange genießen. Vielleicht war er zu mächtig geworden, hatte sich auf seinem rücksichtslosen Weg nach oben zu viele Feinde im mächtigen Staatsapparat gemacht. Vielleicht war der Luxus seines Lebens einigen Neidern zu viel geworden. Er verlor seinen ganzen Besitz und starb mit zweiundsechzig Jahren. Seine Erben waren im Jahre 1903 gezwungen, sogar die prachtvolle Residenz zu verkaufen - an den stellvertretenden Minister für Strafen und Grossekretär Wen Yu. Offenbar war das Spiel, das der junge Guang Yong so virtuos zu spielen verstand, am Ende doch nicht zu gewinnen.
In the eleventh year of the rule of emperor Tong Zhi, fifty year old Hu Xue Yan started to build a residence in Hangzhou, furnished with the finest stone cuttings, wood works, columns from red sandalwood, ginko and nanmu. The residence was the most luxurious in the whole empire. But Hu Xue Yan had not much time to enjoy his riches. Maybe he had become too mighty, had made too many enemies on his ruthless way up. Maybe the luxury of his life had turned some enviers sour. He lost his whole possessions and died age sixty two. His heirs were forced to sell the wonderful residence - to Wen You, minister for punishment and great secretary. It seems that the game the young Guang Yong had played so well was not to win in the end.